Was ist los?

Mehrere tausend ausländische Familien leben in Hamburg mit nichts weiter als einer Duldung. Sie kommen aus Afghanistan, Bosnien oder der Demokratischen Republik Kongo, sind Kurden aus der Türkei oder Albaner aus dem Kosovo…

Ganz egal wie lange sie schon hier sind, sie dürfen nicht arbeiten. Ihre Kinder, die hier aufwachsen und zur Schule gehen, haben mit der Duldung keine Zukunft. Sie dürfen keine Ausbildung beginnen und nicht arbeiten. Und sie werden alle 12 Monate schriftlich daran erinnert, dass sie jederzeit abgeholt werden können - auch wenn sie in Deutschland geboren sind oder schon zwischen 10 und 20 Jahren hier leben.

Die Abschiebungspraxis macht Angst. Flüchtlingskinder erleben, wie ihre Nachbarn geholt werden. Mehrmals pro Woche fahren MitarbeiterInnen der Ausländerbehörde morgens um vier mit Bussen durch die Stadt. Dann werden Familien aus den Betten geholt. Ohne Ankündigung. Unter Aufsicht müssen die Familien dann zügig packen, 20 kg pro Person. Alles andere bleibt zurück. Möbel, Geschirr, Elektrogeräte, Nachbarn, Freunde, oft auch Angehörige. Ein Abschied ist nicht möglich. Die Eltern werden in Handschellen abgeführt, und die verstörten Kinder folgen ihnen, in ein Land, dass ihre Heimat sein soll und das viele von ihnen noch nie gesehen haben. Am Morgen fehlt ein Kind in der Schule.


Warum leben in Hamburg so viele geduldete Familien?

Eine Duldung, die „Aussetzung der Abschiebung“, sollen Menschen gemäß § 60a Aufenthaltsgesetz bekommen, wenn sie eigentlich keinen Anspruch auf eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland haben, weil beispielsweise ihr Asylantrag abgelehnt wurde oder der Bürgerkrieg in ihrem Land nicht als Bleibegrund akzeptiert wird, sie aber nicht sofort abgeschoben werden können. Wenn dieser Zustand nicht nur vorübergehend ist, sondern länger als 18 Monate anhält, soll ihnen nach dem neuen Zuwanderungsgesetz (§25 Abs.5) eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden. Denn es ist eigentlich nicht gewollt, dass die Duldung mit all ihren Einschränkungen und dem Arbeitsverbot einen Daueraufenthaltstatus darstellt. Das Zuwanderungsgesetz sollte den Missstand der "Dauerduldung" endlich beenden. In Hamburg und anderen Bundesländern wird der Paragraph §25 Abs. 5 aber nicht angewandt; seit seinem Inkrafttreten wird sogar verstärkt abgeschoben. Humanitäre Abschiebungshindernisse werden dabei grundsätzlich nicht mehr berücksichtigt und Familien oft getrennt. Nicht alle Bundesländer machen das so: In den Jahren, in denen z.B. in Schleswig-Holstein eine Familie erst eine Aufenthaltserlaubnis erhält, dann eine unbeschränkte Arbeitserlaubnis und schließlich eingebürgert wird, wird in Hamburg die Duldung 10 Jahre alt und älter. Leidtragende sind vor allem die Kinder. Kindheit ohne Zukunft macht krank.


Haben die Kinder keine Rechte?

Deutschland hat die internationale Kinderrechtskonvention leider nicht voll ratifiziert. Der ehemalige Innenminister Schily hat darauf bestanden, dass sie in Deutschland für ausländische Kinder nicht gilt. Natürlich müsste das Grundgesetz für die Kinder gelten. Natürlich müsste die Behörde berücksichtigen, dass Kinder krank werden, wenn sie jahrelang Angst haben müssen, in dieser oder der nächsten Nacht geholt zu werden. Aber die Politik ist an Abschiebungsrekordzahlen interessiert und nicht am Kindeswohl. So ist es möglich, dass die Behördenmitarbeiter unverblümt schriftlich darlegen, dass es gewollt ist, Angst zu machen und Druck auszuüben auf diese Familien.


Was können Sie tun?

Das wichtigste, was Sie tun können ist „WEITERSAGEN“! Kaum jemand weiß, was in dieser Stadt mit ausländischen Menschen passiert. Überzeugen Sie Ihre Freunde und Bekannte, sich über das Thema zu informieren. Fragen Sie nach, wenn es heißt „Asylbetrüger“, „Illegale“, „straffällige Ausländer“. Oft werden damit Kinder gemeint sein, deren „Illegalität“ darin besteht, hier von geduldeten Müttern geboren worden zu sein; deren „Straftat“ wiederum in ihrer unerwünschten Einreise. Fragen Sie nach, wenn ausländische Mitschüler Ihrer Kinder „verschwinden“. Helfen Sie uns, die Not dieser Menschen und die beschämenden Methoden dieser Stadt ans Licht zu bringen. Und fordern Sie von den Politikern dieser Stadt, dass sie diese Unmenschlichkeit endlich abschaffen. Und wenn Sie oder Ihre Kinder geduldete Kinder kennen oder Sie sich vorstellen könnten, eine Petition zu unterstützen oder selbst einen offenen Brief an die Bürgerschaft zu schreiben, dann rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns. Schreiben Sie uns auch, wenn Sie Fragen oder Zweifel haben. Vieles, was in dieser Stadt geschieht, ist schwer zu glauben. Fragen Sie nach, verlangen Sie Belege, nur schauen Sie nicht weg!

 

Kinder verschwinden ist eine Aktion von
 
Unterstützt von:
 
Terre des hommes Deutschland e.V.
 
AKWD – Ausschuss für Kirchliche Weltdienste der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche
Kirchenkreis Altona
Hamburgasyl – Arbeitsgemeinschaft Kirchliche Flüchtlingsarbeit im Sprengel Hamburg
 
Stiftung do
 
Flechtwerk Neue Medien OHG